Die Tibetische Medizin lässt sich in zwei verschiedene Richtungen unterteilen; einerseits in die „Acht Zweige der Wissenschaft des Heilens“, die ein sehr komplexes System der Diagnose und des Heilverfahrens kennt das weitgehend der Ayurvedischen Medizin „entliehen“ ist und wie die Ayurvedische und Chinesische Medizin auf der Elementenlehre aufgebaut ist. Andererseits gibt es die mystische Lehre des Heilens, die auf einer Geheimlehre beruht, die von Meister zu Schüler übertragen wird und ebenfalls auf die Tantras des Medizin Buddhas zurückgehen, aber auch Elemente der Schamanistischen Bön Tradition beinhalten. Die Tibetische Juwelen Pille z.B. basiert auf dieser Tradition.
In der Tibetischen Medizin sind die fünf Elemente träger der Vitalenergie, die sich wiederum als spezifische Charakteristiken und physiologische Züge im Menschen wiederspiegeln. Diese Elemente sind: Erde als formendes Prinzip, Wasser als zusammenhaltendes Prinzip, Feuer als reifendes Prinzip, Wind oder Luft als lebenserhaltendes Prinzip und Äther als raumbildendes Prinzip. Diese können wiederum den Energien Péken (Schleim), Lung (Wind) und Trippa (Galle) zugeordnet werden. Die drei Körpersäfte oder Energien entsprechen der Humoraltheorie. Ein Ungleichgewicht in diesen 3 Energien führt zu Krankheit, sie sind die Basis für die Bestimmung des Konstitutionstypen und der Therapiemethoden. Das Prinzip der Harmonie zwischen den Körpersäften und den dazugehörenden Elementen, sowie deren Auswirkung auf den Gesundheitszustand teilt die Tibetische Medizin mit der Chinesischen und Ayurvedischen Medizin. Auch die Ernährungslehre und das Fördern der Gesundheit mit einer einwandfreien moralischen und ethischen Grundhaltung haben diese drei Systeme gemeinsam. Traditionell wird das Tibetische Heilverfahren im Tibetischen Medizinbaum zusammengefasst; die erste Wurzel behandelt den Körper in seiner gesunden und kranken Form. Die zweite Wurzel behandelt die diagnostischen Möglichkeiten und die dritte Wurzel behandelt die therapeutischen Möglichkeiten.
Einzigartig an der Tibetischen Medizin ist die Auffassung, dass jede Krankheit die Wurzel in einem der drei Geistesgifte – Ignoranz bzw. der begrenzten Sichtweise der Realität, der Begierde bwz. der Wünsche, Leidenschaften, Anhaftung und dem Hass bzw. Zorn, Ärger, Wut hat. Aus diesen drei Geistesgiften gehen insgesamt 84'000 sogenannt plagende d.h. leiderzeugende Emotionen hervor, die der tibetische Arzt jeweils einem Krankheitsbild zuordnen kann. Darüber hinaus kennt die Tibetische Medizin Krankheit auch als eine karmische Aufgabe, die sich aufgrund negativer Taten, Gedanken und Wünsche manifestiert hat.
Aus der mystischen Tradition entstammt die Auffassung, dass karmische Krankheiten durch Gebete, gute Taten und die spirituelle und persönliche Entwicklung gelindert werden können. Einsicht, Bewusstsein um die Verbundenheit aller Dinge und die daraus entwickelte Achtsamkeit für alle Lebewesen sowie das Zähmen des eigenen Egos können zur Genesung führen. Der Ursprung aller Krankheit ist darin zu finden, dass sich der Mensch als ein aus sich selbst existierendes „ich“ begreift, und deshalb nicht mehr im Einklang mit der „Gesamtheit des Universums“ lebt. Durch Läuterung und Bewusstseinswerdung wird die „Seele wieder ganz“ und der Mensch findet sein Wohlbefinden wieder. Darüber hinaus kann Krankheit auch aus einem Zwist mit der spirituellen Welt, bzw. der Welt der Geistwesen, genannt Nagas, entstehen. Wenn der Mensch gegen die Sitten verstossen, oder ein Ritual missachtet hat, dann ist er/sie in die Missgunst der geistigen Welt geraten und dies kann nur durch eine entsprechende Gutmachung behoben werden.
Die Energiearbeit von der hier die Rede ist basiert auf dieser mystischen Tradition; hier wird ebenfalls das „Heilen“ bzw. die Bewusstseinsförderung und spirituelle Entwicklung durch Handauflegen praktiziert, diese wird aber in Kombination mit heiligen Mantras und Lichtvisualisierungen sowie mittels bestimmter Symbole gemacht, die das Bewusstsein um karmische Zusammenhänge fördern und somit das „Auflösen“ eines „Krankheitsbildes“ auf geistiger Ebene bewirken. Mit anderen Worten bewirkt die Technik des Handauflegens, dass „karmische Strukturen“ ins Bewusstsein gelangen und der Mensch an der Auflösung der selben arbeiten kann. Dies geschieht durch die Läuterung des Geistes aufgrund der Rezitation der heiligen Mantras sowie durch das Weiterleiten der Lichtenergie, die bewirkt, dass der feinstoffliche Körper von den „Schwingungen der negativen Gedanken“ geklärt wird.
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